In der dritten Folge von (un)sichtbar chronisch tauchen wir tief in das Krankheitsbild ein, das Andreas Leben am massivsten verändert hat: Morbus Menière. Diese Erkrankung des Innenohrs ist weit mehr als nur ein „bisschen Schwindel“ – sie ist eine existenzielle Herausforderung, die Betroffene oft an ihre Grenzen führt.
Andreas Weg zur Diagnose: Eine zweijährige Odyssee
Obwohl Andrea rückblickend von einem Arzt erfahren hat, dass die Reise bereits 2002 mit ihrem ersten schweren Hörsturz begann, trat die Erkrankung im September 2019 mit voller Wucht in ihr Leben. Während einer Behandlung in ihrer Physiotherapiepraxis schlug der Schwindel urplötzlich zu.
Es folgten zwei Jahre voller Unsicherheit und unzähliger Arztbesuche. Hausärzte, Neurologen, HNO-Ärzte, Orthopäden und sogar Zahnärzte wurden konsultiert, doch oft erntete sie nur Achselzucken oder Fehldiagnosen wie einen einfachen Lagerungsschwindel. Erst als Andrea selbst aktiv wurde, ihren Nystagmus (ein typisches Augenzittern während eines Anfalls) mit dem Handy filmte und einem neuen Spezialisten vorlegte, wurde die Diagnose endlich gesichert.
Was ist Morbus Menière eigentlich?
Morbus Menière wird oft als Ausschlussdiagnose gestellt, doch medizinisch spricht man von der sogenannten Menierschen Trias, wenn folgende drei Symptome zusammenkommen:
- Heftige Drehschwindelattacken: Diese können Minuten bis Stunden anhalten und gehen oft mit schwerer Übelkeit und Erbrechen einher.
- Tinnitus: Ein meist tieffrequentes Rauschen oder Brummen im betroffenen Ohr.
- Hörverlust: Vor allem während der Attacken sinkt das Hörvermögen, was langfristig oft zur Ertaubung des betroffenen Ohrs führt. Das Hörvermögen kann auch schwankend sein.
Ursächlich wird ein sogenannter Endolymph-Hydrops vermutet – eine Flüssigkeitsansammlung im Innenohr, die den Druck erhöht und das Gleichgewichtssystem stört.
Therapieoptionen: Zwischen Hoffnung und Akzeptanz
Da es keine Heilung im klassischen Sinne gibt, konzentriert sich die Behandlung darauf, die Anfälle zu lindern oder deren Häufigkeit zu reduzieren:
- Akutmedikamente: Mittel gegen Übelkeit und Schwindel (z. B. Vomex oder Vertigo-Vomex) können im Notfall helfen.
- Cortison-Injektionen: Andrea halfen Spritzen durch das Trommelfell direkt ins Mittelohr, um die Schwindelattacken abzumildern.
- Betahistin: Ein häufig verschriebenes Medikament zur Durchblutungsförderung, dessen Wirksamkeit jedoch individuell sehr unterschiedlich bewertet wird.
- Invasive Methoden: In schweren Fällen gibt es chirurgische Eingriffe (z. B. Sakkotomie) oder die Zerstörung des Gleichgewichtsorgans durch ototoxische Medikamente (Gentamicin), um die Schwindelattacken zu stoppen.
Hilfe zur Selbsthilfe
Andrea betont, wie wichtig das eigene Handeln und denken ist. Stressmanagement, Yoga und Entspannungstechniken wie die progressive Muskelrelaxation helfen ihr, das Nervensystem zu beruhigen und die Angst vor dem nächsten Anfall zu bewältigen.
Zudem ist der Austausch mit anderen Betroffenen Gold wert. Organisationen wie die KIMM e.V. (Kommunikation und Information bei Morbus Menière) bieten wertvolle Informationen und Selbsthilfegruppen an, um aus der sozialen Isolation auszubrechen.
Fazit: Morbus Menière ist eine Herausforderung für den Körper und die Seele. Doch mit der richtigen Diagnose, den richtigen Menschen an deiner Seite und einem stabilen Sicherheitsnetz und Mut zur Selbsthilfe lässt sich ein würdevolles Leben führen.
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