Stell dir vor, du fühlst dich jeden Tag, als hätte dich ein Bus überfahren. Du bist antriebslos, ständig müde und egal, wie sehr du dich anstrengst – das Gewicht auf der Waage will einfach nicht sinken. Genau so beschreibt Alicia ihr Leben mit der unsichtbaren chronischen Erkrankung Hashimoto-Thyreoiditis.

In unserer neuesten Podcast-Folge haben wir mit Alicia (28) gesprochen, die heute als psychologische Beraterin arbeitet und einen beeindruckenden Weg hinter sich hat. Sie hat es geschafft, trotz der hormonellen Blockaden durch Hashimoto 30 Kilogramm abzunehmen und ihre Lebensfreude zurückzugewinnen.

Der frühe Start: Wenn Müdigkeit als „Charakterzug“ abgetan wird

Alicias Geschichte begann bereits in der Pubertät, etwa in der 5. oder 6. Klasse. Während andere Kinder voller Energie waren, fühlte sie sich fernab und geistig oft gar nicht richtig anwesend. Doch anstatt nach einer medizinischen Ursache zu suchen, wurde sie oft als „einfach verträumt“ oder antriebslos abgestempelt.

Erst Jahre später folgte die Diagnose Hashimoto. Das zeigt ein großes Problem vieler Betroffener: Die Symptome sind unsichtbar und werden oft erst ernst genommen, wenn der Leidensdruck – etwa durch massive Gewichtszunahme oder Haarausfall – unerträglich wird.

Die Herausforderung der richtigen Einstellung

Ein zentrales Thema im Gespräch mit Alicia und Andrea war die medikamentöse Einstellung. Alicia berichtet von einer Berg- und Talfahrt bei der Dosierung von L-Thyroxin:

  • Ärzte orientieren sich oft starr an Laborwerten wie dem TSH-Wert.
  • Dabei wird das persönliche Wohlbefinden der Patienten manchmal übersehen.
  • Alicia merkte schnell: Sinkt ihre Dosis unter 100 Mikrogramm, kehren Haarausfall und die bleierne Müdigkeit sofort zurück.

Wichtiger Tipp aus der Folge: Vertraue deinem Körpergefühl. Wenn die Werte laut Labor „okay“ sind, du dich aber wie ein „nasser Lappen“ fühlst, ist die Einstellung noch nicht optimal.

Wie der Durchbruch beim Abnehmen gelang

Abnehmen mit Hashimoto gilt oft als fast unmöglich, da der Stoffwechsel auf Sparflamme läuft. Alicia hat bewiesen, dass es geht – aber nicht durch bloßen Verzicht. Ihr Erfolg basierte auf drei Säulen:

  1. Stabile Hormone: Erst als die Schilddrüse (in ihrem Fall sogar in einer leichten Überfunktion) stabil eingestellt war, reagierte ihr Körper überhaupt auf Veränderungen.
  2. Ganzheitlicher Blick: Sie schaute sich ihre psychischen Faktoren an, löste alte Bindungsmuster auf und beendete emotionales Essen.
  3. Bewegung mit Freude: Ob Krafttraining im Studio oder Inliner fahren im Sommer – Alicia fand Sportarten, die sie nicht überforderten. Ihr Hund Toni sorgt zudem für die tägliche Routine an der frischen Luft.

Unser Rat: Werde dein eigener Profi

Alicia musste schmerzhaft lernen, dass viele Ärzte Patienten mit Übergewicht weniger ernst nehmen oder vorschnell urteilen. Unser Appell an alle Betroffenen:

  • Bleib hartnäckig: Lass dich nicht mit Sätzen wie „Essen Sie halt weniger“ abspeisen.
  • Hinterfrage die Werte: Bestehe darauf, dass neben dem TSH auch freie Werte wie FT3 und FT4 gemessen werden.
  • Suche Unterstützung: Wenn ein Arzt dich nicht ernst nimmt, wechsle die Praxis. Es bringt nichts, aus Frust gar nicht mehr zum Arzt zu gehen – das schadet nur dir selbst.

Fazit: Hashimoto ist eine lebenslange Reise, aber sie muss dich nicht ausbremsen. Alicias Weg von 30 Kilo Gewichtsverlust und wiedergewonnener Energie ist ein leuchtendes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn man für sich selbst einsteht.

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