Von Geburt an taub und heute eine starke Stimme für die Community: Sarah Felden spricht im Podcast „(un)sichtbar chronisch“ über ihre Reise mit dem Cochlea-Implantat (CI), den Umgang mit Vorurteilen und warum eine Behinderung kein Hindernis für ein erfülltes Leben ist.
In unserer neuesten Folge begrüßen wir Sarah. Die 28-Jährige aus Leipzig ist nicht nur Expertin in eigener Sache, sondern klärt auf Instagram unter dem Namen „@hörvisionen_by_sarah“ aktiv über das Leben mit Hörschädigung auf. Gemeinsam mit Marc und Andrea teilt sie wertvolle Einblicke, die sowohl für Betroffene als auch für Hörende augenöffnend sind.
Was ist eigentlich ein Cochlea-Implantat?
Viele Menschen verwechseln ein CI mit einem herkömmlichen Hörgerät. Sarah erklärt es treffend: „Man hört nicht mit den Ohren, sondern mit dem Gehirn.“ Das CI besteht aus einem externen Audioprozessor und einem internen Implantat, dessen Elektrode direkt in die Hörschnecke führt. Es ist ein Computer, der Schall in technische Signale umwandelt und den Hörnerv stimuliert.
Die unsichtbare Energieleistung
Sarahs Lebenslauf ist beeindruckend: Gymnasium, zwei Fremdsprachen, bald ein Studium in Grafikdesign. Doch hinter diesem Erfolg steckt eine enorme „Höranstrengung“. Während Hörende Informationen nebenbei aufsaugen, müssen CI-Träger oft 100 % ihrer Energie aufwenden, um im Unterricht oder in Meetings auch nur 30 bis 50 % des Inhalts mitzubekommen. Sarahs Erfolg basierte auf eiserner Disziplin und dem Nacharbeiten der Stoffe zu Hause – eine Höchstleistung, die von Außenstehenden oft übersehen wird.
Tipps für den Alltag mit Hörbehinderung
Aus dem Gespräch mit Sarah lassen sich wertvolle Strategien ableiten, um den Alltag besser zu meistern:
- Humor als Schutzschild: Missverständnisse (versteht man „Hund“ statt „Mund“?) sind menschlich. Wer darüber lachen kann, nimmt der Situation die Spannung.
- Die Macht der Wiederholung: Besonders bei Arztbesuchen ist es lebenswichtig, Anweisungen des Arztes mit eigenen Worten zu wiederholen (z. B. „Habe ich richtig verstanden, dass ich die Tablette einmal pro Woche nehmen muss?“), um gefährliche Hörfehler zu vermeiden.
- Übung macht den Meister: Ein CI ist kein „Plug-and-Play“-Gerät. Nur durch konsequentes Hörtraining und langes Tragen lernt das Gehirn, die Signale richtig zu interpretieren.
- Offenheit: Kommuniziere klar: „Ich höre nicht gut, bitte sprechen Sie langsam und deutlich.“
Das „Feingefühl“ als Superkraft
Sarah sieht ihre Hörschädigung nicht nur als Defizit. Sie hat ein besonderes Gespür für Mimik, Gestik und Stimmungen entwickelt. „Alles, was ich nicht höre, fühle ich mehr als andere“, sagt sie. Diese Empathie und ihre künstlerische Begabung nutzt sie heute, um ihre Innenwelt in farbenfrohen Bildern auszudrücken.
Fazit: Sarahs Geschichte macht deutlich: Eine chronische Erkrankung oder Behinderung definiert nicht dein Limit. Mit den richtigen Hilfsmitteln, einer starken Community und einer Prise Selbstbewusstsein lässt sich jeder Weg ebnen.

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