Hallo, hier ist Andrea! Ich möchte heute ein Thema mit Dir teilen, das mein Leben über zwei Jahrzehnte lang massiv geprägt hat: Mein Weg durch die Stille, den Schwindel und schließlich zurück in die Welt des Hörens.

Wenn Du selbst betroffen bist oder jemanden begleitest, weißt Du: Eine unsichtbare Erkrankung wie Morbus Menière ist oft ein einsamer Kampf. Aber ich möchte Dir Mut machen – es gibt Wege zurück in die Kraft.


Wenn die Welt plötzlich Kopf steht

Ich werde diesen Abend im September 2019 nie vergessen. Ich stand in meiner Praxis, behandelte eine Patientin, und von einer Sekunde auf die andere war alles anders. Der Raum fing an, sich rasend schnell zu drehen, mir wurde elend übel, und ich war vollkommen handlungsunfähig.

Vielleicht kennst Du dieses Gefühl des totalen Ausgeliefertseins. Du liegst da wie ein Käfer auf dem Rücken und kannst nicht einmal mehr den Kopf bewegen, ohne dass die Welt explodiert. Das ist der „echte“ Menière-Schwindel – er ist nicht vergleichbar mit einem kurzen Kreislaufabsacker.

Die Tücke mit dem Gehör

Was viele nicht wissen: Morbus Menière greift nicht nur Dein Gleichgewicht an, sondern zerstört schleichend Dein Gehör. Bei mir fing es schon 2002 mit einem massiven Hörsturz während meines Staatsexamens an. Ich wachte auf und hörte auf dem linken Ohr fast nichts mehr – nur noch einen schrecklich lauten Tinnitus.

Das Besondere am Menière-Hörverlust ist, dass er primär den Tieftonbereich betrifft. Das ist genau der Bereich, in dem wir Sprache verstehen. Über Jahre habe ich mich „durchgewurstelt“, habe Lippen gelesen und mich extrem angestrengt, um dazuzugehören. Aber der Preis war hoch: totale Erschöpfung nach jedem sozialen Kontakt.

Mein Wendepunkt: Das Cochlea-Implantat (CI)

Nach fast 20 Jahren Taubheit auf der linken Seite war ich an einem Tiefpunkt. Hörgeräte halfen mir nicht mehr, weil die Sinneszellen in meinem Ohr einfach abgestorben waren – wo kein Gras mehr wächst, nützt auch kein Gießen mehr.

Ich hatte Angst vor der Operation. Ich hatte Angst, dass es nichts bringt. Aber die Sehnsucht, wieder am Leben teilzunehmen, war größer.

Der Moment der Erstanpassung im März 2021 war einer der emotionalsten meines Lebens. Als ich das erste Mal wieder Sprache hörte – auch wenn es am Anfang wie Micky Maus oder Darth Vader klang – wusste ich: Ich bin zurück.

Was ich Dir heute mitgeben möchte

Wenn Du gerade an Dir zweifelst oder Dich in der sozialen Isolation versteckst, möchte ich Dir drei Dinge sagen:

  • Steh für Dich ein: Du musst kein „Super-Kompensierer“ sein. Wenn Du Hilfe brauchst oder ein CI/Hörgerät eine Option ist, fordere es ein.
  • Werde sichtbar: Ich trage mein CI heute ganz offen, oft sogar mit bunten Stickern. Es signalisiert meiner Umwelt: „Hey, ich höre nicht perfekt, bitte nimm Rücksicht“. Das nimmt so viel Druck raus!
  • Nutze Deine Anker: Ob es die tiefe Zwerchfellatmung in einer Attacke ist oder ein Notfall-Handy in der Tasche – schaffe Dir Sicherheiten, die Dir Deine Freiheit zurückgeben.

Du bist nicht allein mit Deiner (un)sichtbaren Last. Wir gehen diesen Weg gemeinsam.

Deine Andrea


Hör doch mal rein: In meiner aktuellen Podcast-Folge erzähle ich Dir noch viel detaillierter von meinem Weg zum CI und wie sich mein Alltag dadurch verändert hat. Du findest uns auf allen gängigen Plattformen unter (un)sichtbar chronisch.

Teile Deine Gedanken mit uns.

Your email address will not be published. Required fields are marked

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}