„Ich spreche meine Schwerhörigkeit meistens gar nicht mehr an.“
Dieser eine Satz einer Klientin hat mich wochenlang beschäftigt. Er klingt so ruhig, fast beiläufig — und steckt doch voller Geschichte.
Wir saßen im Coaching-Gespräch. Sie erzählte mir von ihrer Schwerhörigkeit, von weiteren gesundheitlichen Beschwerden, von einem Leben mit einer unsichtbaren chronischen Erkrankung. Und dann sagte sie diesen Satz.
Nicht wütend, sondern traurig und hoffnungslos. Einfach nur: so ist es halt.
Was sie stattdessen erlebt hat
Anstatt Verständnis zu finden, hatte sie immer wieder das Gefühl bekommen, sich rechtfertigen zu müssen.
Ein HNO-Arzt sagte zu ihr sinngemäß: „Sie haben ja noch ein Ohr.“ In anderen Situationen sprach sie ihre Schwerhörigkeit an — und Menschen lachten, als hätte sie einen Witz gemacht.
Dabei wollte sie doch nur erklären, warum manches für sie anstrengender ist. Warum sie manchmal nachfragen muss. Warum sie Gesprächen nicht immer mühelos folgen kann. Warum sie abends so erschöpft ist.
Was die meisten nicht sehen: schlechtes Hören ist Dauerarbeit
Schlechtes Hören bedeutet nicht einfach „ein bisschen weniger hören“. Es bedeutet: konstante Anstrengung.
Ständig konzentrieren. Gesichter lesen. Lücken füllen. Raten. Immer aufmerksam bleiben, damit nichts verloren geht.
Außen sieht alles „normal“ aus — innen läuft längst ein Marathon.
Genau das passiert bei so vielen unsichtbaren chronischen Erkrankungen. Und weil von außen nichts zu sehen ist, zweifeln Betroffene irgendwann selbst an ihrer eigenen Wahrnehmung.
„Ich habe mich gefühlt, als würde ich lügen.“
Das hat sie mir gesagt. Als würde sie übertreiben. Als hätte sie kein Recht darauf, ernst genommen zu werden — oder einfach ein möglichst gutes Leben zu führen.
Und irgendwann hat sie aufgehört, darüber zu sprechen. Hat sich noch mehr angestrengt. Hat funktioniert — bis kaum noch Energie übrig war.
Diese Geschichte ist kein Einzelfall. Viele Menschen mit unsichtbaren Erkrankungen ziehen sich zurück, nicht weil sie nicht reden wollen. Sondern weil sie gelernt haben, dass sie ohnehin nicht verstanden werden und oft nicht mal ernst genommen.
Eine Frage, die alles verändern kann
Manchmal wäre schon eine einzige Frage so hilfreich:
„Was kann ich tun, damit es leichter wird für dich?“
Wie oft stellen wir sie wirklich?
Darin steckt echte Rücksichtnahme. Und echte Inklusion — nicht als großes Programm, sondern als gelebte Haltung im Alltag.
Was du mitnehmen kannst
Nicht jede Einschränkung ist sichtbar — aber deshalb nicht weniger belastend. Wenn Menschen offen über ihre Erkrankung sprechen, brauchen sie meist keinen schnellen Lösungsvorschlag. Sie möchten erst einmal ernst genommen werden.
Dauernde Mehranstrengung macht müde — körperlich und emotional. Und manchmal hilft eine einzige verständnisvolle Frage mehr als zehn gut gemeinte Ratschläge.
Wenn du selbst betroffen bist
Falls du dich in dieser Geschichte wiedererkennst: Du musst dich nicht ständig „durchbeißen“, um dir dein Recht auf Unterstützung zu verdienen.
Wenn Menschen deine Einschränkungen kleinreden oder sich nicht bemühen zu verstehen, wie es dir wirklich geht — dann liegt das nicht daran, dass deine Belastung nicht real ist.
Sprich weiter darüber. Auch wenn es anfangs schwerfällt. Denn nur so können andere überhaupt lernen, wie sich unsichtbare Erkrankungen wirklich anfühlen. Für dich bedeutet es, verstanden zu werden. Für dein Gegenüber bedeutet es, zu lernen, wie echte Inklusion gelingt.
Eine echte Win-Win-Situation.
Bereit für den nächsten Schritt?
Wenn du das Gefühl hast, deine Erschöpfung und deine Einschränkungen ständig erklären zu müssen und immer noch nicht verstanden zu werden— dann lass uns sprechen.
In einem kostenlosen 30-minütigen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, wo du gerade stehst, was dich am meisten belastet, und ob eine Zusammenarbeit sinnvoll für uns beide ist.
Ich freue mich!

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